
Up in the air
Filmstart: 4.2.
Regie: Jason Reitman;
Darsteller: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Danny McBride, Melanie Lynskey, Amy Morton, Sam Elliott
Er ist der Schutzheilige von Hollywood: Selbst aus Story-Stroh spinnt er Gold. Und gute Stoffe, so wie hier, veredelt er sowieso zu bestem Kino. Schauspiel-Gott George Clooney gibt diesmal den eiskalten Geschäftsmann Ryan Bingham, der immer dann für viel Honorar angeheuert wird, wenn feige Firmen ihr Personal entlassen wollen. Ryans Raffgier zielt längst nicht mehr aufs Geld, sein Eifer gilt den Flugmeilen: Wenn er die fantastische Summe von 10.000.000 Punkten gesammelt hat, steigt er zum Über-Vielflieger auf – was bislang nur sechs Menschen vor ihm gelang. An über 300 Tagen im Flugzeug unterwegs, hat Ryan längst die Bodenhaftung verloren. Seine Opfer serviert er beim Rausschmiss mit smarten Sprüchen ab („Wer auch immer die Welt erobert hat, musste am gleichen Punkt beginnen"). Mit ähnlichen Kalenderweisheiten begeistert er das Publikum seiner Vorträge. Die harte heile Welt des einsamen Helden gerät erst gehörig aus den Fugen, als zwei Frauen auftauchen: Da wäre der One-Night-Stand mit Vielfliegerin Alex, der emotionale Folgen hat. Und da ist die junge Kollegin Natalie, die Ryans Job-Philosophie aufmischt.
Nach „Thank You for Smoking" und „Juno" kann Regisseur Jason Reitman mit diesem dritten Comedy-Streich seinen Ruf als Hollywood-Wunderkind weiter festigen, fette Oscar-Chancen inklusive. Einmal mehr hat der Sohn von „Ghostbuster"-Macher Ivan Reitman ein ausgesprochen gutes Händchen, ernste Themen mit schräger Leichtigkeit anzupacken. Arbeitslosigkeit, Sinnkrisen und Existenzängste werden umwerfend lässig aus dem Hut gezaubert. Während die Entlassungsszenen treffsicher von tatsächlichen Arbeitslosen gespielt werden, entkommen die drei Hauptfiguren gekonnt allen Klischeefallen und spielen sich als gewitztes Trio mit bissigen Dialogen geschickt die Pointen-Bälle zu. Der charismatische Charmebolzen Clooney glüht und sprüht in einer perfekten Rolle, an der Gregory Peck seine wahre Freude gehabt hätte.
Dieter Oßwald
Stand: 26.1.2010